Neue Landesaufnahmestelle an der Theodor-Heuss-Allee

An der Theodor-Heuss-Allee 8 wird eine neue Landesaufnahmestelle (LaSt) für geflüchtete Menschen entstehen. Wir als Beiratsfraktion der SPD Findorff begrüßen dieses Vorhaben. Uns ist dabei wichtig, transparent zu informieren und auch die Fragen aufzugreifen, die Menschen in unserem Stadtteil verständlicherweise beschäftigen.

Was ist an der Theodor-Heuss-Allee geplant?

Zunächst einmal: Eine Erstaufnahmestelle ist keine dauerhafte Wohnunterkunft. Die Menschen leben dort nur für einen begrenzten Zeitraum, während ihr Asylverfahren läuft. Zumeist führt es zu einer Verweildauer von vier bis sechs Monaten. In dieser Zeit wird geklärt, ob ein weiterer Aufenthalt in Deutschland möglich ist oder eine Rückkehr erfolgt.

Wie viele Menschen sollen dort untergebracht werden?

Die LaSt wird über eine Höchstkapazität von 350 Plätzen verfügen. Nach den Umbauarbeiten stehen 111 Bewohnerräume für jeweils ein bis fünf Personen zur Verfügung. Dabei handelt es sich bei den 350 Plätzen ausdrücklich um eine absolute Maximalbelegung. Untergebracht werden Familien, die Schutz suchen, sowie erwachsene Geflüchtete; unbegleitete minderjährige Jugendliche werden an diesem Standort nicht aufgenommen. Gerade bei der Unterbringung von Familien können die vorhandenen Betten in den einzelnen Familienzimmern nicht immer vollständig belegt werden. Deshalb ist in der Praxis eher mit einer tatsächlich nutzbaren Kapazität von ungefähr 250 Personen zu rechnen. Die tatsächliche Belegung richtet sich nach dem jeweiligen Bedarf. Erfahrungen zeigen, dass Erstaufnahmeeinrichtungen in der Regel nicht dauerhaft voll belegt sind. Aktuell ist die Situation bei den Zugangszahlen ruhig, für die Wintermonate wird jedoch ein Anstieg erwartet.

Unterbringung von Familien und Kindern

Auch Familien mit Kindern werden aufgenommen werden. Geplant sind Räume für Betreuung, Bildung, erste Sprachförderung und Beratung sowie ein geschützter, nicht öffentlich zugänglicher Spielplatz.

Die Betreuung wird entweder das Deutsche Rote Kreuz oder die AWO übernehmen. Eine Sozialberatung hilft unter anderem bei Behörden- und Gesundheitsfragen. Für den Schutz der Bewohnerinnen und Bewohner gelten das Bremer Gewaltschutzkonzept und besondere Kinderschutzstandards. Voraussichtlich neun Sicherheitskräfte sollen rund um die Uhr vor Ort sein.

Was Anwohnerinnen und Anwohner beschäftigt

Eine Anwohnerin wies besorgt darauf hin, dass es im Stadtteil zu mehr Gewalt und Kriminalität kommen könnte. Sie verwies dabei auch auf die bereits heute sichtbare Präsenz drogenabhängiger und obdachloser Menschen im Bereich des Bahnhofs. Diese Sorge nehmen wir ernst, betonen jedoch, geflüchtete Menschen sind nicht mit drogenabhängigen oder obdachlosen Menschen gleichzusetzen. Wir als Beiratsfraktion der SPD Findorff gehen davon aus, dass die Bewohnerinnen und Bewohner der Landesaufnahmestelle gut betreut und sicher untergebracht werden. Sie sollen selbstverständlich auch den Bürgerpark nutzen können, um sich von ihren Fluchterfahrungen zu erholen.

Eine weitere Sorge bezog sich auf die Lage des Gebäudes zwischen Bürgerweide und Bahnhof und die Frage, ob die Menschen dort ausreichend gut schlafen können. Wir sehen keinen Grund für die Annahme, dass dies grundsätzlich nicht möglich sein sollte.

Unsere Haltung als SPD-Beiratsfraktion

Für uns als Beiratsfraktion der SPD Findorff ist entscheidend: Die Menschen sollen sicher und menschenwürdig untergebracht und professionell betreut werden – und gleichzeitig sollen die Belange unseres Stadtteils berücksichtigt werden. Die Nutzung einer festen Immobilie bietet bessere Voraussetzungen als provisorische Notunterkünfte und ist ein Baustein für ein planbares, flexibles und insgesamt kleineres Unterbringungssystem in Bremen.