Stark für Sorgearbeit

Die Corona-Krise führt uns unmittelbar vor Augen, wie relevant Tätigkeiten im Zusammenhang mit fürsorglicher Zuwendung und Versorgung sind: sie sind der Kitt für die Gesellschaft. Sorgearbeit muss aufgewertet werden, nicht nur in unser aller Verständnis, sondern auch finanziell und strukturell.

Sorgearbeit wertschätzen…

„Sorgearbeit“ schließt alle Bereiche ein, in denen Menschen anderen Personen helfend und unterstützend beistehen. Sie kann bezahlte Arbeit beinhalten, wie in der Pflege oder in der Kinderbetreuung, aber auch unbezahlte Tätigkeit wie in der häuslichen Pflege, in der Familie oder Erziehungszeiten. Alle Bereiche verdienen bessere Rahmenbedingungen – und Wertschätzung.

… gerecht verteilen…

Überwiegend üben Frauen diese Arbeit aus – weltweit sogar auch Mädchen. Wir setzen uns daher für mehr Wertschätzung und eine fairere Verteilung von pflegerischer Arbeit ein. Wir treten dafür an, dass Familien mehr Zeit füreinander haben, und dass es einfacher wird, Erwerbs- und Sorgearbeit gerechter zwischen allen Geschlechtern aufzuteilen, und Alleinerziehende besser unterstützt werden.

… und angemessen entlohnen.

Weder der unentgeltliche noch der bezahlte Anteil der Sorgearbeit sollte nur aus einer sozialen Perspektive beurteilt werden. Sie ist ebenfalls ein Grundstein für den wirtschaftlichen Erfolg dieses Landes, der stärker berücksichtigt werden muss. Pflegekräfte und Erzieher:innen verdienen bessere Rahmenbedingungen und mehr Anerkennung – die sich auch in guten Einkommen und Arbeitsbedingungen niederschlägt.

Dafür wollen wir kämpfen:
  • Professionelle Pflege ist ein höchst anspruchsvoller Beruf. Gute Arbeitsbedingungen und vernünftige Löhne sind dafür eine wichtige Grundlage. Personalmangel darf nicht dazu führen, dass die Stellen in der Pflege abgewertet werden. Wir wollen die Lohn- und Arbeitsbedingungen in der Altenpflege und Pflege von Menschen mit Behinderung schnell verbessern. In der Altenpflege soll künftig generell nach Tarif bezahlt werden.
  • Soziale Arbeit heißt für uns auch, dass die Arbeits- und Stressbelastung gesenkt werden muss. Wir werden deshalb den Vorschlag eines neuen, bundesweiten und einheitlichen Personalbemessungsrahmens voranbringen. Pfleger*innen müssen sich beruflich weiterentwickeln können.
  • Auch in der Lehre und Erziehung mangelt es an Personal, mit negativen Folgen für die dort Beschäftigten. Wir werden daher mit gezielten Impulsen zur Fachkräftesicherung die Länder beim weiteren Ausbau von Kitas, Ganztagsbetreuung an Schulen und Jugendeinrichtungen unterstützen. Unser Ziel ist es, die Zahl der Nachwuchskräfte in den erzieherischen Berufen bis 2030 bundesweit zu verdoppeln.
  • Bei den Renten wollen wir unterschiedliche Arbeitszeiten und familienbedingte Tätigkeiten gerechter behandeln. Langjährige Pflege von Eltern, Schwiegereltern oder anderen Familienmitgliedern dürfen sich nicht mehr negativ auf die Rente auswirken und die eigene Altersarmut bedeuten. Hier brauchen wir mehr Solidarität und Respekt.
  • In der Familie wollen wir den Menschen helfen, gleichberechtigt füreinander da zu sein. Wir fordern daher die dauerhafte Ausweitung der Kinderkrankentage auf 20 Tage pro Kind, Jahr und Elternteil (als „Elterngeld akut“) – bei mehr als zwei Kindern maximal 45 Tage pro Elternteil und 90 Tage für Alleinerziehende. Darüber hinaus soll künftig auch anderer kurzzeitiger Betreuungsbedarf über das „Elterngeld akut“ organisiert werden können.
  • Unser Modell der Familienpflegezeit ist eine weitere Säule der Sorgearbeit. Wer Angehörige pflegt, soll dabei unterstützt werden, die Pflege mit Erwerbsarbeit zu kombinieren. Das bedeutet: 15 Monate Anspruch auf Unterstützung (Lohnersatz) bei einer Arbeitszeitreduzierung für jeden nahen Angehörigen ab Pflegegrad 2, auf mehrere Pflegepersonen aufteilbar mit einer Mindestarbeitszeit von 15 bis 20 Stunden.
Sorgearbeit wertschätzen, gerecht verteilen und belohnen

Sorgearbeit wird von vielen Menschen geleistet, häufig ohne ausreichende Entlohnung, vernünftige Arbeitsbedingungen oder sogar angemessene Wertschätzung. Dabei ist dieses Engagement von unschätzbarem Wert für die Menschen und die gesamte Gesellschaft. Wir wollen daher die (Arbeits-)bedingungen in der Sorgearbeit verbessern, ihre Entlohnung steigern, sie gerechter verteilen und ihr den Respekt zukommen lassen, der ihr zusteht. Dafür werden wir kämpfen.